Was machen Lamas in der Lüneburger Heide?

...oder das Leben aus der Sicht des Lamas Dancer

Hallo, ich bin Dancer!
Hier seht ihr Kilkenny
Das ist Katara
Bei einem Herbstspaziergang
Opala - ganz schön auf Trapp!
Mit den Lamas durch das schöne Suderburger Land

Eine Woche im Leben eines Lamas - Dancer erzählt.

 

Noch so früh....

Was war das? So früh am Morgen? Da war doch eben ein Geräusch! Die anderen haben auch schon alle die Köpfe gehoben, aber ich bin der einzige, der mutig genug ist, an den Zaun zu gehen und nachzuschauen - es hat schließlich einen Grund, dass ich hier das Security-Lama bin. Einen kleinen Moment bitte, ich bin gleich wieder da! 

 

Opala...

So, da bin ich wieder, alles ist in Ordnung. Ich habe nur gerade die Lage gecheckt und mich noch größer gemacht, als ich ohnehin schon bin, was für Opala - unsere Chefin -  immer das Zeichen ist, selbst nachzuschauen. Opala hat dann den lamatypischen sirenenartigen Warnschrei ausgestoßen und Ruckzuck standen auch Kilkenny, Katara und Netiri mit am Zaun und haben  festgestellt, dass von dem Reh, das sich unserer Weide genähert hatte, keine Gefahr ausgeht.

Ich bin Dancer... 

Entschuldigung, ich bin ganz drüber hinweg gekommen, mich vorzustellen. Mein Name ist Dancer. Little Dancer. Little Dancer sagt aber niemand mehr, seit ich unserem Chef, der über 1,90 m groß ist, gerade in die Augen gucken kann.

 

Wie ich hörte, interessieren Sie sich für Lamas und wollen wissen, was wir den ganzen Tag über so machen. Haben Sie Zeit? Dann lesen und staunen Sie!

Spucken Lamas? 

Zunächst einmal kämpfen wir Lamas den ganzen Tag mit dem Vorurteil, dass wir spucken würden. Nun, natürlich spucken wir, aber nur untereinander, z.B., um die Rangfolge zu klären. Die Rangfolge ist schließlich wichtig! Sie bestimmt darüber, wer zuerst an das Futter darf oder den besten Platz im Unterstand bekommt. Nur in besonderen Ausnahmefällen, z.B. wenn wir richtig schlimm geärgert werden oder uns bedroht fühlen, spucken wir auch gegen Menschen. Der Tierarzt z.B. hat immer gute Chancen, etwas abzubekommen.

 

Sind wir Wachtiere?

Aber im Grunde unseres Herzens sind wir sehr friedliebend. Wir sind sehr für Ruhe und Ordnung. Deshalb werden wir von manchen Schafhaltern auch als Wachtiere in den Schafherden eingesetzt. Bei dieser Tätigkeit kommt uns unser langer Hals, mit dem wir die ganze Schafherde überblicken können, zugute - Hunde können ja kaum über ein Schaf rüber gucken! Wenn wir eine drohende Gefahr bemerkt haben, stoßen wir diesen oben schon beschriebenen sirenenartigen Warnschrei aus.

 

Sonntags triffst Du uns...

Heute ist Sonntag. Das weiß ich deshalb, weil wir gestern in Bad Bevensen mit Kurgästen spazieren gegangen sind. Wir mögen Bad Bevensen. Dort ist immer alles so schön gepflegt - allerdings gibt es im Kurpark auch viele Pflanzen, die wir nicht fressen dürfen, z.B. sind Rhododendren für uns tödlich gefährlich- oder auch Efeu und Eiben. 

 

Wenn Lamas reisen...

Wenn wir in Bad Bevensen oder an anderen Orten einen Einsatz haben, reisen wir komfortabel mit einem Pferdeanhänger. Wir passen dort alle fünf hinein, weil wir nicht angebunden werden. Manchmal ist es nur etwas problematisch, weil wir es eigentlich nicht mögen, so dicht nebeneinander zustehen. Wir können zwar ohne unsere Herde nicht leben, aber deswegen muss man sich ja nicht gleich auf die Pelle rücken! Das sind dann schon mal Situationen, in denen wir voneinander genervt sind und spucken, so dass wir dann kleine grüne Grassprenkel im Fell haben und noch einmal gebürstet werden müssen, bevor die Tour mit den Gästen losgehen kann.

 

Wir sind Lamas...

Wenn wir durch den Kurpark geführt werden, bleiben ganz häufig Menschen stehen und fragen, ob wir Alpakas seien. Der Chef und die Chefin erklären dann immer ganz geduldig, dass Alpakas viel kleiner sind, außerdem sind Alpakas längst nicht so intelligent wie Lamas, aber das ist nur meine persönliche Meinung.

 

Kann ein Lama eine Schönheitskönigin sein?

Die Spaziergänge in Bad Bevensen machen uns Spaß, weil es ausreicht, dass wir brav mitgehen und schön aussehen. Netiri fällt es übrigens am leichtesten, schön auszusehen, weil sie eine anerkannte Schönheitskönigin ist. Sie hat auf einer Show schon einmal den ersten Preis in einer Schönheitskonkurrenz der Stuten ihrer Altersklasse gewonnen und bildet sich darauf noch immer ziemlich viel ein, wie ich finde. Aber egal, mich finden auch immer alle sehr imposant, weil ich der größte  in unserer kleinen Herde bin.

 

Wenn wir alle wieder in unserem Transporter sind, freuen wir uns allerdings auch auf unsere Wiese, in der es ein wunderbares Sandbad gibt. Lamas lieben Sandbäder und es gibt nichts Schöneres, als sich nach einem erfolgreichen Arbeitstag mit dem sorgfältig gebürsteten Fell im Sand zu wälzen!

Willst Du mit uns Geburtstag feiern? 

Heute Nachmittag kommt eine Gruppe kleiner Mädchen, um Geburtstag zu feiern. Menschen feiern ihre Geburtstage gern mit Lamas -  wobei wir aber darum gebeten haben, dass die Kinder zumindest so groß sein müssen, dass sie - wenn es mal ernst wird - auch auf uns aufpassen können. 10 Jahre alt muss da so ein Mensch mindestens sein. Lamas sind zwar sehr selbständig, aber z.B. im Straßenverkehr verlassen wir uns doch auf den Menschen, der uns führt. 

Ganz ruhig

Vor einigen Wochen waren wir mit einer Gruppe 11- und 12- jähriger Mädchen unterwegs, die von uns so begeistert waren, dass sie immer aufgekratzter und quietschender wurden. Katara und Opala sind dann ganz hibbelig geworden und wenn Katara und Opala hibbelig sind, werden Kilkenny und ich auch hibbelig und Netiri wurde hibbelig, weil alle anderen hibbelig waren. Der Chef musste dann eingreifen und hat mit tiefer Stimme gemahnt: "Liebe Leute, die Lamas übernehmen eure Stimmung - wenn ihr aufgeregt seid, werden es die Tiere auch. Versucht mal, ganz ruhig und leise zu sein, dann werden sich eure Tiere auch wieder beruhigen." Kaum, dass die Mädels ganz brav und leise gegangen sind und keinen Mucks mehr von sich gegeben haben, waren wir Lamas auch ganz brav und leise. Die Mädchen hatten etwas gelernt und die Eltern waren tief beeindruckt. Mal schauen, was wir mit der Gruppe heute Nachmittag erleben.

Montag ist unser Wochenende 

Morgen ist Montag und montags haben wir meistens frei. Manchmal kommen aber auch Schulklassen oder andere größere Gruppen, die sich über Lamas informieren wollen.  Wir kommen dann meist nur kurz an den Zaun und  kontrollieren, ob das nette Leute sind, oder ob wir uns doch besser auf unseren Hügel zurückziehen sollten. Katara, die vom Chef nur "Partylama" genannt wird, weil sie sich immer in den Vordergrund drängelt und Küsschen verteilt, bleibt meist etwas länger und drängelt sich in den Vordergrund und verteilt Küsschen. Ich bin eigentlich auch sehr für Küsschen geben, aber ich mache das nur, wenn ich weiß, dass ich mit dem Menschen die nächsten 2 Stunden verbringen werde. Dann will ich natürlich genau wissen, mit wem ich es zu tun habe. Lamas nehmen nicht, wie Hunde, Kontakt über die Hände auf, sondern über das Gesicht. Mit unseren weichen Nasen tasten wir dann das Gesicht des Menschen ab und nehmen dabei seinen Geruch auf. Je nachdem, ob uns dieser Duft zusagt, oder nicht, entscheiden wir dann, ob wir mit gehen möchten oder eben nicht.  Schwere Parfüms mögen wir z.B. überhaupt nicht. Netiri hat sich sogar schon einmal so sehr vor einem Parfüm geekelt, dass sie angefangen hat, zu spucken. Das war ihr hinterher etwas unangenehm, aber das war schon ein wirklich heftiges Parfüm.

Dienstag ist Therapietag 

Dienstags ist häufig Therapietag. Wir mögen Therapietage, weil wir dann so richtig zeigen können, was Lamatherapie bewirkt. Wir arbeiten z.B. mit ADHS-Kindern oder auch mit gehandicapten Menschen, mit denen wir sehr geduldig sind. Bei ADHS-Kindern ist es manchmal nicht so leicht für uns, weil die uns durch ihre Hibbeligkeit auch hibbelig machen. Aber der Chef sorgt dafür, dass sich die Kinder bemühen, ruhiger zu sein und dann sind wir auch völlig entspannt. Wir hatten auch mal eine Gruppe junger Menschen, die es bisher noch nicht geschafft hatten, sich auf dem Arbeitsmarkt positiv darzustellen, weil sie überhaupt nicht wussten, was in ihnen steckt und was sie alles leisten können. Das haben wir ihnen dann gezeigt. 

Ich gebe mich am Anfang immer gerne ein bisschen zurückhaltend und ruppig und wer meint, mir dann genauso ruppig entgegentreten zu müssen, wird von mir ganz schnell eines Besseren belehrt. Wer glaubt, an meinem Strick reißen zu müssen, damit ich mitgehe, lernt mich kennen bzw. er lernt mich nicht kennen. Ich mache dann nämlich die Beine gerade und stemme sie in die Erde und gehe nirgendwo hin! 

Respekt - sonst bleib ich stehen

Ohne Respekt läuft bei einem Lama nämlich überhaupt nichts und anders als zum Beispiel Katara, mache ich auch keine Geschenke. Bei mir muss sich Zuneigung erarbeitet werden. Wer sich nicht so verhält, wie ich mir das vorstelle, hat erstmal nicht viel Freude an mir. Aber ich bin nicht nachtragend und lenke auch gleich ein, wenn der Mensch alles richtig gemacht hat. Nur so lernen die Menschen etwas. Katara ist da ganz anders. Sie geht immer gleich auf alle zu und versprüht Lamacharme. Deswegen ist Katara auch diejenige, die immer überall hin darf und von allen bewundert wird.

Mittwochs sind wir im Altenheim 

Mittwochs ist meistens Kataras großer Auftritt und damit Kilkenny, er ist 2 Jahre jünger als wir anderen, etwas lernt und er sich etwas von Katara abschaut, darf er mit in die Zimmer im Altenheim oder im Hospiz. Diese Termine sind für uns häufig anstrengend, aber der Chef weiß das und deswegen sind  wir nach spätestens einer Stunde auch wieder fertig und können nach Hause. Ich gehe nicht so gern in die Zimmer der Bewohner, weil dort häufig Geräte stehen, die komische Geräusche machen oder die Menschen auch gar nicht mehr merken, dass ein Lama im Zimmer ist. Manchmal sind die Termine aber auch lustig - sogar im Hospiz. Wir standen z.B. mal alle 5 auf der Terrasse vom Hospiz und ließen uns fotografieren und anfassen, als Katara zu einer Dame im Rollstuhl ging und ihr ein Küsschen gab. Die verwunderte Dame bemerkte hierzu nur ganz trocken: "Nun habe ich seit 3 Jahren keinen Kerl mehr gehabt und der Erste, der mich wieder küsst, ist ein Lama!"

 

Brusthaar kraulen - himmlisch

Im Altenheim lässt sich Kilkenny gern in sein langes, dichtes Brusthaar fassen - einmal ist es ihm sogar passiert, dass eine alte Dame ihm einen Zopf geflochten hat...darüber amüsieren sich der Chef und die Chefin noch heute!

Donnerstag, Freitag, Samstag ...

Donnerstags und freitags oder auch samstags, wenn wir nicht in Bad Bevensen sind,  kommen gern Gruppen, die einen langen Spaziergang mit Lamas im schönen Suderburger Land machen wollen. Auch wenn wir die meisten Strecken schon kennen, wird es uns doch nie langweilig! Die Welt verändert sich schließlich jeden Tag und wo gestern noch kein Reh stand, steht heute vielleicht eins oder es liegt eine Plastiktüte auf dem Weg, die in der letzten Woche noch nicht da war. 

Lamas sind an Aufmerksamkeit und Sensibilität nicht zu überbieten, deswegen nennt man uns auch die "Delfine der Weide", weil wir ganz ähnliche Eigenschaften wie Delfine haben. Wir registrieren alles, was sich um uns herum abspielt und dadurch fördern wir die Achtsamkeit und Aufmerksamkeit der Menschen, die mit uns spazieren gehen, weil auch der Mensch dann gezwungen ist, sich seine Umwelt anzuschauen. Der Mensch soll ja schließlich auch auf uns achten und dafür sorgen, dass uns nichts passiert - und dazu muss er aufnehmen, was um ihn herum geschieht. Sie ahnen ja nicht, wie gefährlich 2 Drosseln, die scheinbar harmlos auf dem Weg sitzen, sein können! Das muss man einem Menschen erstmal klar machen.

 

Lamas go online

Wenn Sie noch mehr über uns erfahren möchten, wenden Sie sich vertrauensvoll an unseren Chef, Werner Schröder. Der kann Ihnen auch noch ein paar lustige Geschichten erzählen. Am schönsten wäre es natürlich, wenn Sie sich von Opala, Katara, Netiri, Kilkenny und mir bei einer geführten Lamawanderung die Gegend rund um unsere Weide zeigen lassen. Fragen Sie nach Dancer.

// FACTS //


Lama to go - Therapie und Trekking  
Dipl.Päd. Werner Schröder
Am Sande 14
29556 Holxen

Tel.: 0173 7003669

werner-schroeder-oe@t-online.de

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