Ein Gin so wundersam wie die Natur der Heide

Dr. Gerhard Bosselmann ist Bäcker, Alchimist und Wissenschaftler. Doch erst der Entdecker in ihm erlaubt es, mutig zu sein.

    Vielfältig, leicht und zunehmend frech – in den letzten Jahren hat sich Gin zum Kultgetränk gemausert und als Grundlage für angesagte Mixgetränke etabliert. In der Lüneburger Heide ist der Wacholderschnaps nicht nur angekommen, sondern vielmehr in aller Munde und über seine Grenzen hinweg bekannt. Ein Grund dafür ist die Heide-Brennerei in der Nordheide, die zuletzt bei den World Gin Awards 2021 in der Kategorie London Dry Gin mit Silber für Deutschland ausgezeichnet wurde.


    Beinahe unscheinbar, in einer kleinen Nebenstraße am Rande der 2.700 Seelengemeinde Egestorf, befindet sich Deutschlands mutmaßlich kleinste Privat-Gin-Destillation. 50 Liter fasst die Brennanlage, die Dr. Gerhard Bosselmann im eigenen Haus nach seinen Vorstellungen entwerfen ließ. Mit einem Heide-Bitter, einem Haselnuss-Geist und sechs verschiedenen Gin-Sorten, die nach dem London Dry Gin Verfahren hergestellt werden, weckt der begeisterte Unternehmer die Lust auf den vollmundigen Heide-Geschmack. Die für das erste Geschäftsjahr besonders herausfordernde Zeit trotzt er mit Sarkasmus; so findet sich beispielsweise „Dr. B’s wundersamer Corona-Gin“ im Sortiment. Berühmt ist auch sein Heidegin.


    Seit Februar 2020 extrahiert der Heideliebhaber mit ganzer Hingabe die Aromen ausgewählter Heidepflanzen oder wie sie bei der Gin-Herstellung heißen: Botanicals. Das Wissen dafür eignete er sich im Selbststudium an. Auch sein persönlicher Background – die Eltern führten eine pharmazeutische Drogerie und er selbst ist promovierter Land- und Forstwirtschaftsmeister – seine Reisen nach Schottland und das Social Web, allen voran Instagram, ließen ihn schnell mit der Kunst des Destillierens vertraut werden. „Durch Instagram habe ich eine Brennerei in Schottland gefunden, die sich wie wir in einer Heidelandschaft befindet. Und wenn ich eine Frage habe, rufe ich einfach an. Der Kreis ist klein. Man kennt sich.“


    Wacholder, Hagebutten, wilde Johannisbeeren und Schlehen, Hand verlesen von ausgewählten Flächen zwischen Undeloh und Wesel, sind nur einige Zutaten, die zusammen mit dem weichen Heidewasser Dr. B’s wundersamen Heide-Gins den feinen Geschmack verleihen. Wundersam? Weil „Wirkung, Geschmack und Inhaltsstoffe wundersam sind“ – so entfalten manche Botanicals nur bei Vollmond ihre volle Aromenintensität. „Und weil die Lüneburger Heide wundersam ist“, schmunzelt Bosselmann. „Sie erdet die Menschen. Ihre Ferne entschleunigt und regt zum Nachdenken an. Genauso aber ist sie ein Ort zum Fröhlichsein.“


    Zirka 1.000 Flaschen schafft Gerhard Bosselmann mit seiner Anlage im Jahr, von denen er ab und zu eine verkauft. Mehr ist nicht gewollt. „Ich brenne nicht auf Vorrat oder weil ich muss. Ich brenne, wenn die Botanicals reif sein, wenn sie Saison haben.“ Und das zahlt sich aus. Kräftig, rund und weich mit einem dezenten Alkoholempfinden sind Dr. B’s Destillate nicht nur edle Tropfen für Liebhaber, sondern erfreuen sich auch bei Einsteigern großer Beliebtheit. Die Genießer-Gemeinschaft kommt aus der Region oder verbringt erholsame Urlaubstage in der Lüneburger Heide und gönnt sich die feinen Bosselmann Spirituosen als Andenken und Mitbringsel. Wichtig dabei: Schnell muss man sein und das ganz egal, ob bei der Anfrage als persönliche E-Mail, im Online-Shop oder an einer der elf ausgesuchten Verkaufsstellen. Mehr aber noch zählt eins und so fügt Bosselmann mit einem Augenzwinkern hinzu: „Meine Spezialitäten bekommen nur sympathische Menschen, die meine Passion wertschätzen.“


    // FACTS AUF EINEN BLICK //


    Brennerei Bosselmann

    Dr. Gerhard Bosselmann

    Kuhlhof 7

    21272 Egestorf / Lüneburger Heide