Filz - Naturstoff und Urstoff

Filz ist das älteste Textil der Welt.

    Ob Tennisball, Smartphone-Hülle oder Pantoffeln - das Material Filz ist weit verbreitet.

    Im Grunde ist Filz menschheitsbegleitend. Seitdem Menschen mit Tieren unterwegs waren, ist Filz bereits als Nebenprodukt entstanden. Tiere haben Wolle, tragen ein Fell und wenn man reitet, dann sorgt der Sattel auf dem Rücken der Tiere oft für eine Art Verfilzung, weil die Wolle härter wird. Das ist bereits entstanden, lange bevor man andere Textilien entwickelt habe


    Filz ist das älteste Textil der Welt

    Schon in der Steinzeit haben Höhlenmenschen Filz gemacht. Zuerst wohl nicht mit Absicht: Weil sie keine Kämme hatten, sind ihre Haare schnell verfilzt. Sie hatten also richtige Filzmatten auf dem Kopf. Daraus haben sie gelernt. Sie haben Haare von Tieren genommen und diese mit Absicht gerieben und gerubbelt. Dadurch erhielten siel Filzstücke.


    Es ist schwer, heute Filz aus der Steinzeit zu finden. Denn Filz verrottet schnell und wird zu Kompost. Aber im Moor hält sich Wolle besonders lange - zum Beispiel an einer Moorleiche. Ein Beispiel für ganz alten Filz wurde in Behringen (bei Bispingen, ca. 20 Kilometer entfernt von Soltau) entdeckt: ein verfilztes Stück von einer Kopfbedeckung, ca. 3500 Jahre alt. Die ältesten Hinweise auf Filz stammen aus Anatolien und sind etwa 8000 Jahre alt.


    Filz ist überall - und zieht mit

    Besonders traditionsreich und wichtig ist Filz für Nomaden - für Völker in Bewegung, die nicht in einem festen Haus wohnen und guten Schutz vor extremer Witterung brauchen. Sie führen in der Regel Tiere als Haarlieferanten mit und haben keinen Platz für große Werkzeuge wie Webstühle.

    Besonders in der asiatischen  Steppe spielt Filz eine zentrale Rolle in fast allen Lebensbereichen: Das beginnt mit dem Zelt, der sogenannten Jurte, und reicht über Gebetsteppiche und Satteldecken bis zu Kleidungs- und Schmuckstücken.


    Während in Europa häufig im Alleingang gefilzt wird, ist in Asien Filzen in Gemeinschaft besonders verbreitet: Alle sammeln Haare, diese werden in eine befeuchtete Matte eingewickelt, und dann beginnt das Rollen über den Boden - oder ein Zugtür wird eingespannt. Wichtig ist dabei die gemeinschaftsstiftende Bedeutung des Filzens über Generationen hinweg.


    Die Rezeptur von Filz

    Haare. Feuchtigkeit und Bewegung - mehr ist zum Filzen nicht nötig. Da diese drei Dinge fast überall verfügbar sind und waren, ist Filz ein uraltes und weltumspannendes Material.


    Filz besteht aus Haaren

    Ausschlaggebend dafür, dass sie sich verfilzen können, ist ihre rauhe, schuppenartige Oberfläche. Denn unter dem Mikroskop betrachtet, sehen Haare ähnlich aus wie Fichtenzapfen. Die Schuppen wirken wie kleine Widerhaken, die sich miteinander verbinden.


    Filz aus Kaninchenhaar?

    Nicht nur Schafwolle filzt. Auch andere Haare lassen sich zu Filz verarbeiten - seien es die von Kaninchen, Ziegen, Kamelen, Hunden oder auch Menschen. 

    Und: Auch Schafwolle ist nicht gleich Schafwolle. Da gibt es das gröbere und längere Fell- oder Granenhaar und das weichere Flaumenhaar.

    Die Wolle von Schulter, Hals oder von den Seiten der Tiere ist feiner und reiner als die vom Rücken oder vom Bauch. Und die robusten Strähnen der Heidschnucken reagieren ganz anderes als die kleinen Löckchen der Wensleydale-Schafe. Ganz besonders fein und gefragt ist die Wolle von Merinoschafe.

    In der Regel wird die Wolle gereinigt und aufgelockert oder gekämmt. bevor sie zu Filz weiterverarbeitet wird.


    Feuchtigkeit -  am besten in Verbindung mit Wärme - führt dazu, dass sich die Schuppen an der Haaroberfläche aufspreizen. Deshalb kräuseln sich Haare z.B. bei Regen. So aufgespreizt, verhaken sich die Haare leichter miteinander.


    Bewegung - Damit sie sich verbinden können, müssen die Haare bewegt werden. So kommen sie an verschiedenen Stellen in Berührung, verhaken sich mehrfach ineinander und verheddern sich zu einem immer festeren und dichteren Fasergewirr.


    Filzen weltweit - Von der Mongolei bis Soltau

    Filz kennt keine Grenzen: gefilzt wird rund um den Globus. Die Rohstoffe und Techniken, die Produkte und Anwendungsbereiche können sich dabei stark unterscheiden. Filz ist kein standardisiertes Weltmarkt-Produkt, sondern ein Zeugnis für die anhaltende Buntheit der Welt.


    Filzen für ein warmes Dach über dem Kopf oder wie wird Filz in der Mongolei gemacht

    In der mongolische Steppe schwanken die Temperaturen zwischen minus und plus 20 Grad. Jurtenfilz muss nicht fein sein, sondern locker und dick.  So bildet er eine gute Isolierschicht. Weil Wasser knapp ist, wird die Wolle dafür nicht gewaschen, sondern nur geklopft. So bleibt der Wollfettgehalt hoch und der Filz wird dadurch schmutz- und wasserabweisender. Die großflächig ausgelegte, angefeuchtete Wolle wird zu einer festen Rolle gewickelt und mit 1 PS zu Filz verarbeitet - indem ein Reiter sie mehrere Stunden über die Steppe zieht.