Knacken Sie den magischen Geheimcode in der Heide?

Magisches Quadrat in der Kunststätte Bossard

    Die Kunststätte Bossard liegt still und abseits umgeben von Wald in der Lüneburger Heide. Das Gesamtkunstwerk in Jesteburg, einem idyllischen Heideort, wurde in jahrzehntelanger Arbeit von Johann Michael Bossard und seiner Frau geschaffen. Der Drang des Künstlers zu Verschlüsselungen hinterließ in dem Areal viele Spuren. Das magische Quadrat auf einer Wandfliese an der Gebäuderückseite birgt eine geheime Botschaft.


    • Aber wie funktionieren magische Quadrate?
    • Welches ist die magische Zahl der Kunststätte Bossard und wie findet man diese heraus?
    • Welche Bedeutung hat diese magische Zahl?
    • Wo findet man die berühmtesten magischen Quadrate von den Freimaurern bis hin zum Bestseller Autor Dan Brown?


    Das magische Quadrat

    Mathematisch gesehen ist das magische Quadrat eine quadratische Anordnung von Zahlen bei der die Summe aller Reihen, Spalten, und der beiden Diagonalen immer gleich ist. Die Summe wird daher als magische Zahl bezeichnet. 

    Probieren Sie es aus und addieren Sie die Zahlen auf dem Bild der oberen Reihe: 

    16 + 2 +3 + 13 = ...


    Oder addieren Sie eine Diagonale von links unten nach rechts oben:

    4 + 6 +11 + 13= ...


    Egal welche der Reihen, Spalten oder Diagonalen Sie dabei auch addieren, Sie werden immer zu dem selben Ergebnis gelangen.


    Sie können sogar jeweils vier Zahlen in den äußeren Ecken addieren und werden zur selben Lösung gelangen oder addieren Sie die vier Zahlen im mittleren Quadrat miteinander. Auch hier gelangen Sie zum exakt selben Ergebnis.


    Der Geheimcode der Kunststätte Bossard 

    Bei der Kunststätte Bossard ist die magische Zahl 34. Neben den Summen aus den Reihen, Spalten und den beiden Diagonalen gibt es weitere Gleichungen, bei denen die magische Zahl 34 herauskommt. 


    Neben dieser mathematischen Faszination haben magische Quadrate meist eine spirituelle Bedeutung. So auch für die Bossards. 

    Die 3 steht für die Dreifaltigkeit d. h. die Wesenseinheit Gottes in Vater, Sohn und den heiligen Geist. Sie symbolisiert alles Geistliche und Göttliche. 

    Die 4 steht im Gegensatz dazu für alles Irdische, wie zum Beispiel die vier Jahreszeiten, die vier Temperamente oder die vier Elemente. 

    In der Kunststätte lassen sich die Zahlen 3 und 4 auch häufig wiederfinden: Der Kunsttempel hat 3 große senkrechte Fenster und 4 vorspringende Lisenen (Mauerblenden). Die Vereinigung beider Zahlen findet sich in den 7 Giebeln des Tempels wieder. 


    Die berühmtesten magischen Quadrate

    Magische Quadrate wurden bereits bei den Freimaurern als Geheimschrift verwendet. In Dan Browns "Das verlorene Symbol" dient ein magisches Quadrat zur Entschlüsselung einer geheimen Botschaft.  In Albrecht Dürers Kupferstich"Melancholia I" und auch über dem Eingang der Sagrada Familia wurden magische Quadrate verwendet.


    Johann Bossard interessierte sich für die Kunst und die Person Albrecht Dürers. Vielleicht übernahm er auch daher das magisches Quadrat aus dessen berühmten Kupferstich „Melancholia I“ mit identischen Zahlen und identischer Anordnung. Es enthält die Zahl 1514, das Jahr, in dem Dürer das Kunstwerk geschaffen hat. Außerdem ist es das Todesjahr von Dürers Mutter. Um die Jahreszahl 1514 befinden sich die Zahlen 4 und 1, die für Dürers Initialen nach ihrer Position im Alphabet stehen könnten. Das magische Quadrat in Dürers „Melancholia I“ ist wiederum zahlenmäßig identisch aber punkt-gespiegelt mit einem magischen Quadrat aus Indien von vor ca. 2000 Jahren.

     

    Die magische Zahl bei dem magischen Quadrat an der Sagrada Familia, einer wunderschönen Kirche in Barcelona, lautet 33 und entspricht dem Lebensalter von Jesus.  Es ist jedoch kein „echtes“ magisches Quadrat., da nicht alle Zahlen von 1 bis 16 vorkommen und einige doppelt vorhanden sind. Es zeigt aber wieder einmal, wie relevant die „magische“ und „geistliche“ Deutung ist.


    Das Künstlerehepaar Bossard und das Gesamtkunstwerk

    Auf dem 3 ha großen Grundstück verwirklichte das Ehepaar Bossard gemeinsam ihren Lebenstraum, indem sie verschiedenste Kunstrichtungen zu einem Gesamtkunstwerk vereinten. Nahezu jedes freie Stück Ihres Wohn- und Atelierhauses, des Kunsttempels und der Gartenanlage wurde künstlerisch gestaltet. Es wurden Wände verziert, Böden und Wandvertäfelungen sowie Fenster bemalt, Skulpturen und Schnitzereien geschaffen. Sogar Kleidung und Geschirr wurde bemalt. 

     

    Die Idee für das Werk entstand bei Johann Michael Bossard. Er erhoffte sich in der Lüneburger Heide Ruhe zu finden zum Leben und zum Arbeiten, da er das Leben in der Stadt nicht mehr aushielt. So begann er 1912 mit der Planung und dem Bau auf dem erworbenen Heidegrundstück. Nach der Heirat 1926 arbeitete das Ehepaar fortan unermüdlich gemeinsam an ihrer Vision.

     

    Bossard war ein zurückhaltender und introvertierter Mensch. Dies vermutlich auch aufgrund seiner Behinderung. Mit 11 Jahren verlor er sein rechtes Augenlicht durch eine Scharlachinfektion. Auch wenn die Haushaltskasse knapp war, wollte er seine Kunst nicht „vermarkten“ sondern sie „leben“. Er hatte die Auffassung, dass Seinesgleichen ihn schon finden werden. Seine Frau, energisch und kontaktfreudig, dachte anders darüber. Nach seinem Tod setzte Sie alles daran, ihr Lebenswerk bekannt zu machen.


    Besuch und Besichtigungen der Kunststätte Bossard                          

    Heute gibt es für Jedermann an der Kunststätte Bossard unzählige Objekte zu bestaunen und zu analysieren. Nahezu alles kann besichtigt werden, auf Sonderführungen sogar ein Teil der Privaträume der Bossards.


    So ist es immer wieder spannend, welche weiteren Deutungen sich aus dem magischen Quadrat an der Kunststätte Bossard herleiten lassen. Denn Bossards Hang zu Verschlüsselungen und geometrischen Formen zieht sich durch das gesamte Areal. Es warten also unzählige Weitere darauf entdeckt zu werden.