Das Wunder von Undeloh gab es bis 1965

Der Hungerpohl in Undeloh war die Börse des Mittelalters

    Diese Geschichte handelt vom „flotten Michel“, einem jungen Knecht des reichen Hansekaufmanns Hallenstein aus Lüneburg. 


    Um 1398 war Lüneburg ein florierender Teil der Hansestädte und hatte das wertvolle Salzmonopol inne. Überall in der Stadt war der Reichtum an den prachtvollen Gebäuden zu sehen und der Lüneburger Silberschatz war der größte aller Hansestädte.


    Michel hatte seinen Spitznamen bekommen, weil er damals, im Jahr 1398, einer der schnellsten Läufer war. Seine Aufgabe war besonders: Er sollte den 34 km langen Weg von Undeloh in der Heide bis nach Lüneburg als schnellster bewältigen, um dem Hansekaufmann Hallenstein eine wichtige Information zu überliefern. Denn Hallenstein handelte auch mit Getreide.


    Aber was hat das mit Undeloh zu tun? In dem heute romantischen Ferienort im Herzen der Heide gibt es einen Teich, Hungerpohl genannt, der als Wunder bezeichnet wurde. Karl der Große soll den Teich besucht haben und den Langobarden war er heilig.


    Der Hungerpohl prophezeite durch seinen Wasserstand, ob trockene oder regenreiche Zeiten anstanden: Kündigten sich regenreiche Zeiten an, versiegte der Teich. In trockenen Zeiten lief er über und liess sein Wasser durch Undeloh laufen. 


    Die Lüneburger, Hamburger und Lübecker Kaufleute erkannten bald ihren Vorteil aus dieser Information und schickten ihre Knechte nach Undeloh, um Veränderungen über den Wasserstand sofort zu melden. Denn die Hansekaufleute wollten ihre Getreidepreise nach dem Wasserstand kalkulieren.


    Stieg das Wasser, war Trockenheit zu erwarten und eine schlechte Ernte. Die Getreidevorräte wurden dann gehortet, um sie in der zu erwartenden Hungerzeit teuer zu verkaufen.


    Versiegte der Teich, war eine regenreiche Zeit zu erwarten und eine gute Ernte. Dann wurde das Getreide schnell verkauft, da man Preissenkungen aufgrund der großen Menge erwartete.


    Der flotte Michel wartete also geduldig am Rand des Hungerpohls, ob sich der Wasserstand wohl ändern würde. Zusammen mit vielen anderen Knechten scherzte er, teilte das Brot und schlief neben dem Feuer.


    Kam Bewegung in den Wasserstand, sprang Michel auf und rannte sofort los nach Lüneburg. Dann ging es darum, als Erster anzukommen, denn der Wettbewerb war groß und wurde nicht immer mit fairen Mitteln ausgetragen. Gute Knechte wurden großzügig belohnt und Michel rechnete sich einiges aus. Ein Pferd konnte er nicht nehmen, denn die schmalen Sandpfade und Schmugglerwege durch die Heide waren voller Wurzeln und nur zu Fuß zu bewältigen.


    Schaffte Michel es rechtzeitig, war dem Hansekaufmann Hallenstein ein gutes Geschäft sicher. Kam Michel zu spät, verlor Hallenstein Geld und ließ seine schlechte Laune an seinem Knecht aus. 


    Das wusste Michel natürlich und nah sich diesmal vor, besonders schnell zu sein. Über Eyendorf und Kirchgellersen rannte er Richtung Lüneburg und gönnte sich nur selten eine Pause. Als die Türme der Stadt Lüneburg in Sicht kamen, schaute er sich um. Er hatte seine Kontrahenten wieder einmal hinter sich gelassen und konnte dem Hansekaufmann zuerst die Information übermitteln.


    Kaufmann Hallenstein war dankbar, denn das Wasser versiegte und deswegen sollten die Getreidevorräte schnell verkauft werden. Er forcierte Verkaufsgespräche, die er schon geführt hatte, und belohnte seinen flotten Knecht mit einem reichen Mahl, zwei freien Tagen und neuer Kleidung für das gute Geschäft, das er nun abgeschlossen hatte. So stolzierte der flotte Michel neu eingekleidet und mächtig stolz durch die Stadt.







    Der Wasserstand eines kleinen Teiches in Undeloh in der Lüneburger Heide hatte also maßgeblichen Einfluss auf die Getreidepreise der Hansekaufleute. Bis heute ist dieses Naturphänomen unerklärlich.


    Die handelnden Personen entstanden in unserer Phantasie, aber den Hungerpohl gibt es wirklich. Bis 1965 (!) ist dieses Phänomen aufgezeichnet, seitdem ist es ausgeblieben. Der Hungerpohl liegt heute zugänglich im aufgeforsteten Gebiet unterhalb des Rahberges in Undeloh und kann besichtigt werden.



    Reise-Informationen:


    Wer einmal die Strecke von Lüneburg nach Undeloh und Wilsede selbst gehen möchte, kann dies auf  einem 44 km langen Wanderweg tun. In 3 Etappen mit 2 Übernachtungen kann man den Weg bequem laufen kann. Er heißt „Pastor Bode Weg“. Informationen dazu finden Sie hier.


    Die damaligen Schmugglerwege durch die Heide sind heute oft Wanderwege. Einer der bekanntesten ist der Spitzbubenweg ab Schneverdingen. Infos hier


    Undeloh ist ein idyllisches Heidedorf mitten im Naturschutzgebiet. Von hier aus sind Sie in wenigen Schritten in der Heide. Hier finden Sie alle Unterkünfte in Undeloh.


    Der Reichtum der Hansekaufleute ist auch heute noch in der Stadt Lüneburg an den prächtigen Gebäuden zu sehen. Eine Kurzreise nach Lüneburg ist deshalb immer eine gute Idee. Hier finden Sie alle Informationen dazu. Besichtigen Sie auf jeden Fall das Rathaus, dort erfahren Sie sehr viel über die Hansegeschichte Lüneburgs.


    Karte
    Karte: Das Wunder von Undeloh gab es bis 1965