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HEIDE-Insider Stadt #9: Was passiert in der Stoßkammer der Alten-Rathsapotheke?

...oder das Geheimnis der Alten-Raths-Apotheke


    Die Alte-Rathsapotheke in Lüneburg scheint ein Schatzkästlein, wenn es um pharmazeutische Gepflogenheiten aus dem 16. Jahrhundert geht. Ihre Schätze, die architektonischen, die kunst- wie kulturhistorischen, gibt sie allerdings wohldosiert preis. Das Überraschungsmoment scheint ihr offensichtlich ein Anliegen zu sein.

    Erfahren Sie hier: 

    • Ein kulturhistorisches Geheimnis der Alten-Rathsapotheke oder was passiert in der Stoßkammer.


    Um zu erfahren, was das Geheimnis der Stoßkammer in der Alten-Rathsapotheke ist, bedarf es zunächst eines historischen Abrisses der Apotheke.


    Bauten der Öffentlichkeit- Alte Raths-Apotheke (Große Bäckerstraße 9)

    Bereits 1294 ist der Apotheker Hinricus in einem Haus am Cyriaks-Kirchhof nachgewiesen. Die Geschichte der Apotheke in der Bäckerstraße beginnt aber Jahre später. Im Jahre 1437 eröffnete der Apotheker Mathias van der Most in der Bäckerstraße 5 die erste Apotheke Lüneburgs. 1475 ging die Apotheke in den Besitz der Ratsherren der Stadt über, nachdem Mosts Nachfolger die Pest dahingerafft hatte.

    Sie stellte als einzige Apotheke eine bedeutende Einnahmequelle für die Stadt dar. Von 1475 bis 1533 lag ihre Führung in den Händen von Pächtern. 

    Durch die Geschäftstüchtigkeit des Apothekers Simon Salomon konnte die Alte Rathsapotheke in ein größeres Haus in der Bäckerstraße 9 umziehen.


    Und genau hier ist der Bau mit seiner prächtigen Renaissancefassade aus Buchenberger Sandstein auch heute noch zu bestaunen. Ein außergewöhnlicher Schmuck ist das prächtige Sandsteinportal mit dem Lüneburger Stadtwappen. 

    Zwei Frauen mit Tieren symbolisieren zwei für den damaligen Apotheker wichtige Sinne.


    Hund und Affe als wichtige Sinne?

    Ja, der Hund verkörpert den Geruch (Olfactus) und der Affe den Geschmack (Gustus).

    Wenn wir den Gerüchen von Kräutern, Säften und allerlei Salben folgen, die Hippokrates schätzte und Paracelsus empfiehlt, treten wir über steile Treppenstiege in die Kräuterkammer ein.


    Kräuterkammer

    Die Kräuterkammer befindet sich im Obergschoss, weil diese meist trocken waren 

    und einen geeigneten Platz zum Lagern für Kräuter abgaben. Den Keller nutzte man hingegen, um die zu kühlenden Bestandteile der Arzneien aufzubewahren.


    Der Duft getrockneter Kräuter

    Schmale Stiegen führen in die ehemalige Kräuter- und Materialkammer der Alten Raths-Apotheke ­hinauf – eintauchen in die Zeit der Renaissance, ins 16. Jahrhundert. Hier mutet es wunderbar altertümlich an, der Duft getrockneter Kamille hängt leicht in der Luft. Eine Wand verschwindet gänzlich hinter einem Apothekenschrank, dessen zahllose hölzerne Kästen fein säuberlich mit lateinischen Begriffen versehen sind.


    Die älteste Inventarverzeichnis in Deutschland

    Viele von ihnen enthalten noch heute den Inhalt, auf den die Beschriftung hinweist. Ihr Mindesthaltbarkeitsdatum ist sicher längst überschritten; das originale Inventarverzeichnis der Apotheke von 1475, das wohl älteste komplette in Deutschland, das sich im Archiv der Stadt Lüneburg befindet, gibt Auskunft über das wahre Alter. 

    Dank diesem war es möglich, einen Großteil des Inhalts der Apothekerkästen aus der Kräuterkammer zeitlich einzuordnen. Das Verzeichnis enthält sowohl eine Auflistung der damals vorhandenen Waren als auch deren Preise. Der kostspieligste Posten: Zucker. Zucker war damals ein teures Gut und ähnlich wie das Salz mit Gold aufzuwiegen. Es gab weder Zuckerrübe noch Zuckerrohr, die süße Rarität wurde auf Kreta aus Honig hergestellt um schließlich über Venedig auch nach Lüneburg zu gelangen. Die Wohlhabenden kauften es für den eigenen Genuss, der Apotheker konservierte damit seine Zutaten und Arzneien oder stellte Süßigkeiten her. 


    Und was passierte nun in der Stoßkammer?

    Aus dieser Zeit stammt noch der mannshohe Stößel, mit denen man bis 1850 in gewaltigen Mörsern die Arzneibestandteile zerrieb. Die Berufsbezeichnung lautete Stößer; dieser verrichtete seine Arbeit in einer so genannten Stoßkammer – keine zweideutige Bezeichnung für einen zweckentfremdeten Raum, sondern handelte es sich dabei um Kammern mit einem festen Boden, der nicht vibrierte, wenn es beim Zerstoßen von hartschaligen Ingredienzien einmal kraftvoller zuging. 


    Der Begriff der Materialkammer ist ein sehr viel jüngerer, erst Mitte des 19. Jahrhunderts kamen diese Räumlichkeiten auf. Hier bewahrte man die bereits vorbereiteten, weiter verarbeiteten Arzneiestandteile auf, die man nun schon kaufen konnte. 
    Die Geschichte des nachweislich ersten Apothekers in Lüneburgs geht auf das Jahr 1294 zurück. Seit 1598 befindet sich die Alte Raths-Apotheke nun in dem imposanten Renaissancegebäude in der Großen Bäckerstraße Nr. 9. Seither war es immer der Berufsstand der Apotheker, der dort wirkte.


    In diesem Sinne: 

    NEQUE HEBRA NEQUE MALAGMA SANAVIT EOS. SED TVVS DN SERMO QUI SANTA OMNIA.


    Von Luther übersetzt: Es heilet sie weder Kraut noch Pflaster, sondern dein Wort, Herr, welches alles heilet.


    In modernen Zeiten würde die Werbung für eine Apotheke wohl etwas anderes lauten, wie schon Kaiser Wilhelm II. 1908 bei einem Stopp auf der einer Autofahrt durch die Bäckerstraße bemerkte.




    // FACTS AUF EINEN BLICK //


    Alte Rathsapotheke

    Große Bäckerstraße 9

    21335 Lüneburg




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