Wandertouren rund um Wienhausen

    Wienhausen lädt zum Wandern ein

    Weit über die Grenzen der Lüneburger Heide hinaus ist der Ort für sein Kloster bekannt. Es liegt eingebettet in einen historischen Ortskern, der uns mit Fachwerkhäusern, urigen Bäumen und dem idyllischen Mühlenkanal in eine andere Zeit versetzt. Im nahen Umfeld von Wienhausen warten liebevoll gepflegte Ortschaften im regionaltypischen Baustil und die naturnahe Allerniederung mit Wald und Weide darauf, entdeckt zu werden. Hierfür wurden fünf unterschiedliche Wanderwege großzügig ausgebaut. Bitte denken Sie an Verpflegung, insbesondere Getränke, da die Einkaufs- bzw. Einkehrmöglichkeiten auf den Routen eingeschränkt sind.


    W1:

    Kloster, Kunst und Fachwerk

    am idyllischen Mühlenkanal

     

    Mit seinen markanten Stufengiebeln begrüßt Sie das Kloster Wienhausen (1) : Im Jahr 1225 wurde es durch die Celler Herzogin Agnes von Landsberg, einer Schwiegertochter Heinrich des Löwen, gestiftet. Früher lebten hier Zisterzienser Nonnen, heute wird es als evangelisches Kloster genutzt. Die Konventualinnen bieten von April bis Oktober regelmäßig Führungen an. Lassen Sie sich von der imposanten Architektur, den üppigen Wandmalereien, mittelalterlichen Kunstwerken, der Truhensammlung oder den berühmten gestickten Bildteppichen beeindrucken. Beeindruckend ist auch eine Sammlung der ältesten Brillen der Welt, Nietbrillen aus dem 14. Jahrhundert. In einem jüngst eröffneten kleinen Museum werden Fundstücke ausgestellt, die bei Renovierungsarbeiten im Nonnenchor zutage traten. Kleine Gebetsbücher oder Spindeln der Nonnen wurden in für Menschenhand unerreichbaren Ritzen und Rillen über die Jahrhunderte bewahrt.

    An den dunklen Natursteinen erkennen Sie die Kirche St. Marien (2) , die aus dem 11. Jahrhundert stammt. Sie büßte beim Bau der angrenzenden Klosterkirche ihren Turm ein. Die Glocken der Kirche St. Marien läuten deshalb von einem freistehenden, hölzernen Glockenturm. Bis heute prägt der hölzerne Glockenturm – mit seiner Fachwerkkonstruktion und der nur an einer Seite angebrachten Uhr – das Ortsbild.

     

    Biegen Sie nun rechts ab Richtung Tourist-Information. Sie ist in einer Mühle untergebracht, die hier 1591 auf Geheiß Herzog Wilhelm des Jüngeren aus Celle errichtet wurde, um "dat ole Molenhus“, das bereits   1352 erstmals erwähnt worden war, zu ersetzen. In seiner wechselvollen Geschichte wurde das Gebäude als Getreide- und Grützmühle, als Sägewerk, Elektrizitätswerk und Rathaus genutzt. Seit 2011 bereichert es als Kulturhaus (3) mit Ausstellungen, Lesungen und anderen Veranstaltungen das kulturelle Leben der Region. Gegenüber sehen Sie die neuere Getreidemühle (4) aus dem 18. Jahrhundert, die bis 1962 Korn mahlte und seit 1982 mit einer wassergetriebenen Turbine elektrischen Strom erzeugt. Ein Atelier lädt zum Besuch des Gebäudes ein. Ebenfalls auf diesem Platz steht die sogenannte Blasek-Eiche (5) . Geschaffen vom Wienhäuser Künstler Herbert Blasek (1912-2006) erinnert sie mit der Inschrift   "1052: Kaiser Heinrich III. schenkt dem Bischof von Hildesheim Huginhusen" an die zweite urkundliche Erwähnung des Ortes. Auf einer verwunschenen Insel erblicken Sie das Trauhaus(6). Der ehemalige Speicher stand ursprünglich in Wathlingen, wo er im Jahr 1900 abgebaut wurde. Nach unterschiedlicher Nutzung, u.a. als Schafstall, wird das kleine Fachwerkhaus seit 1980 für Trauungen genutzt.   Nicht wenige verliebte Besucher kehren nach ihrem Besuch in den wunderschönen historischen Ortskern Wienhausens zurück, um sich hier das Ja-Wort zu geben.

     

    Der idyllische Weg direkt am Mühlenkanal (7) entlang lässt die zuvor kennengelernten Gebäude in einer neuen Perspektive erstrahlen. Links sehen Sie das Pfarrhaus aus dem Jahr 1905, das zahlreiche typische Bauelemente der Region – wie Stufengiebel, Eingangsportal und Fachwerk – zeigt. Ein kleiner Abstecher führt zum Wohnhaus des Künstlers Herbert Blasek (8) . Im Vorgarten erinnern mehrere Skulpturen an sein Schaffen, das von seiner Liebe zur Natur und seinem tiefen religiösen Empfinden geprägt war. Zurück auf der „Celler Straße“ überqueren Sie den Mühlenkanal über eine Holzbrücke. Genießen Sie stimmungsvolle Einblicke in den Klosterpark (9) , bevor Sie zum Ausgangspunkt des Weges zurückkehren.


    W2:

    Imposante Klostermauern

    umringt von Park und Aller

    Durch den Klosterpark zum Allerdamm (2,3 km)

     

    Wandern Sie am Klosterpark (1) entlang, aus Wienhausen hinaus. Lassen Sie sich von knorrigen Baumriesen am Wegesrand beeindrucken. Vorbei an Sport- und Tennisplatz geht es zum Allerdamm (2) . Von hier aus eröffnet sich ein Weitblick über die Flussniederung: Inmitten der Wiesen und Weiden fließt gemächlich die Aller dahin. Der Damm ist älteren Datums und dient bis heute dem Hochwasserschutz. Zur besseren Wasserregulierung wurde die Aller in den 1960 er Jahren zusätzlich begradigt. Während früher in diesem Abschnitt Einbäume und Lastkähne, , später dann große Schiffe diese Wasserstraße zum Transport von Holz, Metallen und Getreide nutzten, sieht man heute Kanus gemächlich über den Fluss schippern. Folgen Sie dem Weg entlang der Anpflanzung, bis Sie auf die Landstraße treffen, die Sie zurück nach Wienhausen führt. Am Ortseingang biegen Sie rechts in die „Mühlenstraße“ ein. Der vom Mühlenkanal inselartig umschlossene Bereich trägt den Namen Schlossgarten (3) , da hier bis zum 18. Jahrhundert ein Jagdschloss stand, dessen Gestalt leider nicht bildlich überliefert ist.   Jedoch die amtliche Karte “Kurhannoversche Landesaufnahme von 1779” weist eine barocke Gartenanlage der königlichen Gärtner, die vor allem die Herrenhäuser Gärten schufen, mit dem Jagdschloss aus.

     

    Schon bald gelangen Sie zu den malerischen Fachwerkhäusern im historischen Ortskern. Vorbei am Trauhaus geht es zum Kulturhaus, das die Touristinformation und wechselnde Ausstellungen beherbergt. Auf der Straße „An der Kirche“ wandern Sie vorbei am hölzernen Glockenturm und der Kirche St. Marien. Am Ende der Tour erwartet Sie das imposante Kloster Wienhausen, das von April bis Oktober zum Besuch einlädt.

           

    W3:

    Geheimnisvolle Wasserwege:

    von der Mühle zu den Rieselwiesen

    Historischer Ortskern von Wienhausen (1,1 km)

     

    Vom Startpunkt aus wandern Sie vorbei am Kloster Wienhausen Richtung Kulturhaus zum Mühlenkanal (1) . Dieser zweigt etwa 6 km entfernt – in Langlingen – von der Aller ab, um sich nördlich von Wienhausen wieder mit dem Fluss zu vereinen. Das Wasser wurde für den Betrieb der Mühlen und zur Versorgung des Klosters genutzt. Wir folgen der Mühlenstraße entlang des Mühlenkanals. Sehen Sie rechts am Ufer die Stein-Holzkonstruktion?

    Der sogenannte Mönch (2) steuert die unterirdische Wasserzufuhr zum Teich, der hinter der Mauer verborgen

    liegt. Auf der rechten Seite sehen Sie zwei Schmuckteiche, die einst ein herrschaftliches Anwesen einrahmten: Vom Jagdschloss fehlt seit dem Abbruch um 1790 jegliche Aufzeichnung. Nur der Name der Straße „Schlossgarten“, die Sie überqueren, erinnert noch daran.

     

    Folgen Sie nun dem „Bockmarschweg“ in die Bockmarsch (3) : Der plattdeutsche Ausdruck „Marsch“ bezeichnet Schwemmland, das regelmäßig überflutet wird. Die vielen Wasserwege und Teiche unterstreichen diesen Charakter.   Vorbei an Pferdekoppeln, mit Blick auf Höfe am Horizont, geht es zum Alten Wehr (4). Dort befindet sich ein Campingplatz. Der Weg „Am Kanal“ führt zu den ehemaligen Rieselwiesen (5). Eine Infotafel erläutert das einst für die Region typische Bewässerungssystem: Hierfür wurde das Gelände so gestaltet, dass Wasser über ein ausgeklügeltes Gefälle und viele kleine Kanäle auf die Wiesen floss. So erreichten die Bauern einen höheren Aufwuchs auf ihren Wiesen – das bedeutete mehr Futter für ihr Vieh.

     

    Über einen schmalen Wiesenweg gelangen Sie zur Straße, die Sie zurück nach Wienhausen führt. Von der „Hauptstraße“ biegen Sie rechts Richtung „Bungerstraße“ (6) ab. In diesem um 1850 erbauten Ortsteil erkennt man noch die landwirtschaftliche Struktur. Bemerkenswert sind auch die Sinnsprüche an den Höfen. Zurück auf der „Hauptstraße“ gelangen Sie zu dem mit Einkaufs- und Einkehrmöglichkeiten ausgestatteten Ortskern. Gleich nach dem Braugasthaus (7), das 1589 erstmals als „herrschaftliches Krughaus“ erwähnt wurde und das eine der kleinsten mobilen Brauereien der Welt beherbergt, biegen Sie links ab. Der idyllische Weg am Mühlenkanal entlang gewährt malerische Ausblicke auf Kloster, Kirche, Mühlengebäude und Pfarrhaus. Auf dem Weg zurück zum Ausgangspunkt überqueren Sie die Probsteibrücke (8) , welche im Jahr 1854 erbaut wurde. Ihr Name erinnert daran, dass die Brücke früher zur Probstei, dem Verwaltungssitz des Klosters, führte. Dieses Gebäude wurde jedoch 1528 im Zuge der Reformation abgerissen.

     

    W4:

    Allerniederung bezaubert mit

    Weitblick und Fachwerkhöfen

     

    Wandern Sie am Klosterpark (1) entlang bis zum Allerdamm (2) . Genießen Sie den herrlichen Weitblick über die malerische Flusslandschaft zur Aller. Entlang des Südufers geht es bis nach Oppershausen (3) . Biegen Sie hier gleich links in die „Osterloher Straße“ (Einkehrmöglichkeit) und dann in den „Maschweg“ ein. Tipp: Wenn Sie den 750 m langen Abstecher   zur Maria-Magdalenen-Kapelle, einem Fachwerk-Saalbau mit imposantem Deckengemälde, ansteuern möchten, biegen Sie an dieser Kreuzung rechts ab.

    Durch Feld und Wald wandern Sie Richtung Osterloh. Hier hat man der Aller ein Stück Raum zurückgegeben: Neu angelegte Kleingewässer lassen die ursprüngliche Flora und Fauna der früher regelmäßig überschwemmten Flusslandschaft zurückkehren. Folgen Sie den Wegweisern zum NABU-Projekt (4) , um die Artenvielfalt der Renaturierungsflächen zu entdecken. Der Weg führt parallel zu den Osterloher Alpen (5) . Dieser bewaldete Hügel ist eine ehemalige Düne. Sie entstand wie viele andere Dünen in der Region vor etwa 10.000 Jahren, am Ende der letzten Eiszeit durch Sandverwehungen. Diese lagerten sich am Nordufer des damaligen Flussverlaufes der Aller ab.

     

    Durch Osterloh wandern Sie zum Aller-Wehr (6) . Vorbei an einem Altarm (7) der Aller führt der Weg nach

    Bockelskamp: Hier erwarten Sie typische norddeutsche Fachwerkhöfe (8) . In der „Schulstaße“ erstrahlt ein besonderes Dorfgemeinschaftshaus (9) : Das zum Abbruch freigegebene Vierständer-Fachwerkhaus aus Flettmar wurde zum Großteil in Eigenleistung der Bürger hier wieder aufgebaut. Auf der „Poststraße“ – auf der einst die Postkutsche fuhr – wandern Sie nach Wienhausen. Im Jahr 1913 wurde der Postkutschenbetrieb Celle-Wienhausen eingestellt und die Eisenbahnstrecke Celle-Gifhorn eröffnet. Eisenbahnrelikte in Wienhausen erinnern an den Alten Bahnhof (10) , der hier bis 1993 betrieben wurde. Durch ein Wohngebiet gelangen Sie zum Haus des Künstlers Herbert Blasek (11). Im Vorgarten erinnern zahlreiche Skulpturen an sein Schaffen, das von seiner Liebe zur Natur und seinem tiefen religiösen Empfinden geprägt war.   Über eine Holzbrücke, die einen stimmungsvollen Einblick in den Klosterpark gewährt, gelangen Sie zurück zum Ausgangspunkt (siehe Tour W1).

     

    W5

    Alte Flussläufe im Urstromtal

    von Aller und Oker entdecken

     

    Diese Tour führt durch die wasserreiche Umgebung von Wienhausen. Erfahren Sie, wie die Flussläufe einst entstanden sind und verändert wurden. Vom Startpunkt aus wandern Sie vorbei am Kloster Wienhausen (1) über die „Mühlenstraße“ in die Bockmarsch (2) . Am Wegesrand erwarten Sie zahlreiche Teiche und ein Altes Wehr (3) . Dann laufen Sie vorbei an den ehemaligen Rieselwiesen (4).   Bei diesem alten Bewässerungssystem gestalteten die Bauern das Gelände so, dass regelmäßig Wasser über viele kleine Kanäle auf ihre Wiesen floss. Nur so war ein höherer Aufwuchs auf den Wiesen möglich – das bedeutete mehr Futter für das Vieh. Eine Infotafel vor Ort erläutert das System genauer.

     

     

    Zurück in Wienhausen folgen Sie dem „Lageweg“ durch Wald und Feld, um hier erneut auf den Wienhäuser Mühlenkanal zu treffen. Eine Tafel am Wegesrand lädt ein, die Geschichte des Urstromtals (5) zwischen Aller und Oker kennenzulernen. Kaum zu glauben, dass hier auf einer Breite von 20 km einst viele wilde parallele Ströme vom tauenden Gletscher abflossen, bevor sich die Aller vor 10.000 Jahren allmählich als Hauptstrom durchsetzten konnte.

     

    Biegen Sie rechts ein und überqueren Sie die alte Bahntrasse, die einst von Celle nach Gifhorn führte. Ganz in der Nähe sehen Sie ehemalige Sanddünen (6) , die sich in der letzten Kaltzeit am Flussufer der Oker ablagerten. Weiter geht es nach Sandlingen. Der Ort verfügt über zahlreiche liebevoll gepflegte Höfe.

     

    Sie überqueren die „Kreisstraße“ und folgen dem Weg „Zur Laake“ Richtung Wienhausen. Im Wald stoßen Sie auf Reste des alten Flussbettes der Laake (7) , ein Nebenarm der Alten Oker, die bereits vor Jahrhunderten trockengelegt wurde. Vor Ort zeigt eine Tafel den ursprünglichen Flussverlauf und erläutert warum unsere Vorfahren ein neues Flussbett für die Oker anlegten.

     

    An der nächsten Kreuzung treffen Sie wieder auf die Bahnstrecke. Dort, wo heute eine Bank zum Gedenken (8) an die Opfer des Zweiten Weltkrieges steht, wurde 1947 ein Massengrab entdeckt. Bei den Toten handelte es sich um Häftlinge aus dem KZ Mittelbau Dora bei Nordhausen, die den Transport zum KZ Bergen-Belsen nicht überlebten. Nördlich von Celle erinnert die Gedenkstätte Bergen-Belsen an das Konzentrationslager, in dem während des zweiten Weltkrieges etwa 52.000 Häftlinge ums Leben kamen.

     

    Zurück geht es durch den Wald über den „Rotkäppchenweg“ zum „Alten Postweg“. Eisenbahnrelikte erinnern an den Alten Bahnhof (9) , der von 1913 bis 1993 in Wienhausen in Betrieb war. Durch ein Wohngebiet gelangen Sie zum Haus des Künstlers Herbert Blasek (10) . Über eine Holzbrücke überqueren Sie den Mühlenkanal, um zum Ausgangspunkt des Weges zurückzukehren.