Wo Satansspeck und Salzsau zu Reichtum führten

Das weiße und schwarze Gold der Lüneburger Heide

    Die Lüneburger Heide ist bekannt für die größten zusammenhängenden Heideflächen Europas. Doch es schlummern weitere, interessante Superlative in der Region. Einst war der Süden der Heide für 80% der deutschen Erdölproduktion verantwortlich. Texas in der Heide. Der Norden kam dagegen durch das Salzmonopol der Hanse zu Reichtum. Die lila Lüneburger Heide zwischen schwarzem und weißem Gold.


    Wer heute durch die Lüneburger Heide wandert, erfreut sich an der weiten, lila Landschaft mit zahlreichen Wacholdern, Birken und idyllischen Sandwegen. Ein Urlaubsparadies für Naturliebhaber. Doch nur wenige wissen, dass es in der Heide zur jeweiligen Zeit weltbewegende Ereignisse gegeben hat. Man muss an vielen Stellen schon genauer hinschauen, um die Geschichte über das weiße und schwarze Gold der Heide zu finden.


    Das Salzmonopol der Hanse


    Etwa ab dem Jahr 965 wurde in Lüneburg Salz gefördert. Um den Fund des Salzstocks rankt sich eine interessante Geschichte. Angeblich sollen Jäger der Spur eines Wildschweins durch das sumpfige Gelände der Ilmenauniederung gefolgt sein. Als sie es erlegt hatten, stellen sie fest, dass das Fell über und über von weißen, salzigen Körnchen übersät war. Kurzerhand verfolgte man den Weg der Wildsau zurück und fand eine Senke, in der sich das Tier gesuhlt hatte. Man grub an der Stelle und fand eine solehaltige Quelle. Bis heute wird die „Salzsau“ in der Region verehrt und ist in vielen Bereichen als Statue, oder Glücksbringer vorhanden.


    Das Geschäft mit dem Salz wuchs, denn im Mittelalter gab es kein anderes Mittel, um Lebensmittel haltbar zu machen. Um 1300 gab es rund 50 kleine Siedehäuser in der Stadt Lüneburg, die schnell zum größten Salzproduzenten Nordeuropas wurde und ihr Salz über Lübeck in den gesamten Ostseeraum bis nach Russland verkaufte. Vom einstigen Reichtum der Hansestadt, Lüneburg hatte inzwischen das wertvolle Salzmonopol der Hanse inne, zeugen noch immer die imposanten Backstein-Giebelhäuser, in denen die wohlhabenden Salzherren und Sülfmeister residierten und das historische Rathaus, in dem zwei Schweineknochen als Erinnerung an das Wildschwein hängen. 


    Als 1980 aus wirtschaftlichen Gründen das letzte Siedehaus in Lüneburg geschlossen wurde, ging eine etwa 1000-jährige Epoche zu Ende, die das Gesicht der Stadt bis heute prägt. 


    Doch auch die Folgen des intensiven Salzabbaus unter Tage sind aktuell in Lüneburg zu erkennen. Durch die entstandenen Hohlräume in der Erde senkte sich über dem Salzstock ein Teil der Altstadt ab, Häuser und sogar eine Kirche mussten abgerissen werden. Ein Problem, dass bis heute anhält.


    Inzwischen werden in Lüneburg nur noch geringe Mengen Salz gefördert, unter anderem für den Kurbetrieb der Salztherme „Salü“. Im Siedehaus der ehemaligen Saline ist jetzt das Deutsche Salzmuseum untergebracht, in dem die Geschichte des Salzabbaus erzählt wird. 


    Es beginnt mit dem Satansspeck


    Knapp 900 Jahre später, im Jahr 1858, ist es wieder der Boden der Lüneburger Heide, der zu unglaublichem Reichtum führt. Dieses Mal in der Südheide.


    Eigentlich beginnt die Suche nach dem schwarzen Gold in Wietze bereits 1652 mit dem Ausgraben von ölhaltigem Sand aus sogenannten Teerkuhlen. Nachdem das Öl herausgewaschen wurde, verkauften die Bauern den "Satansspeck" als Schmiermittel.


    1858/59 kam der Geologe Professor Georg Konrad Hunäus im Auftrag der Hannoverschen Regierung auf der Suche nach Braunkohle nach Wietze. Er bohrte in der alten Wallmannschen Teerkuhle und traf in 37 m Tiefe auf Erdöl. Die nach seinem Entdecker benannte Stelle gilt heute als eine der ersten erfolgreichen Erdölbohrungen weltweit, selbst in Texas war man noch nicht so weit. 


    1899 brach dann das Ölfieber in Wietze aus, als der Bohrmeister Hasenbein aus Sehnde erstmals eine fündige Bohrung nördlich des Dorfes und gleichnamigen Flüsschens Wietze abteufte. Der Ölboom veränderte das kleine Heidedorf Wietze von da an rasant. Innerhalb nur weniger Jahre schossen Bohr- und Fördertürme wie Pilze aus dem Boden. Wietze deckte bald ca. 80 % der Inlandsnachfrage nach Erdöl und war bis 1920 das produktivste Erdölfeld in Deutschland


    Bis zur endgültigen Stilllegung aller Betriebe 1963 aus wirtschaftlichen Gründen gab es in Wietze 2028 Bohrungen. Wenig davon ist heute noch zu erkennen, nur ein Museum erzählt diese aufregende Geschichte.


    Das Deutsche Erdölmuseum in Wietze wurde 1970 eingerichtet und ist eines der ungewöhnlichsten Museen Deutschlands, denn es befindet sich auf einem historischen Ölfeld, der sogenannten Teufelsinsel.


    Das fast zwei Hektar große Freigelände blieb mit seinen Produktionseinrichtungen so erhalten, wie es bis 1963 in Betrieb war. Im Laufe der Zeit kamen weitere technische Anlagen hinzu, die heute eine einmalige Freiluftausstellung darstellen.


    Das Wahrzeichen von Wietze ist ein riesiger Förderturm, der im Erdölmuseum steht und Celle, nicht weit entfernt, ist bis heute das Herz der deutschen Ölindustrie.


    Waren früher das weiße und schwarze Gold die großen Reichtümer der Lüneburger Heide, so sind es heute die großen, lila-blühenden Heideflächen, die von Millionen Urlaubern jährlich besucht werden.


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